Wiederanders. Der Johannes-R.-Becher-Podcast

Mit Kristin Eichhorn und Toni Bernhart

Immer donnerstags.

Johannes R. Becher (1891–1958) ist bekannt als Dichter der Hymne der DDR und als deren erster Kulturminister. Doch sein Leben war sehr viel abenteuerlicher, als dieser vermeintliche Zielpunkt erahnen lässt. Er war Expressionist und Sprachzertrümmerer par excellence, verfasste Poetiken, galt als Repräsentant des Sozialistischen Realismus und schrieb spätromantische Lieder. Mit fast allen, die in Kunst und Literatur, später auch in der Politik Rang und Namen hatten, stand er in Verbindung und überlebte drei Suizidversuche. Seine Spuren führen, ausgehend von der Münchner Bohème der Zeit der Klassischen Moderne, nach Paris, Wien, Prag und Moskau und ebenso nach Jena, Bad Saarow oder Bad Urach.

Bechers Geschichte ist ein wilder Ritt durch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, kompliziert, verworren und verwoben mit der deutsch-deutsch-deutschen Geschichte. Davon wird dieser Podcast erzählen und Fragen stellen, die heute relevanter denn je erscheinen: Was verbindet Ost und West? Was bringt ein politisches System zum Kippen und was kann man dafür oder dagegen tun? Wie politisch soll die Kunst sein und verliert sie dadurch automatisch an Qualität?

Mit diesen und weiterführenden Fragen befassen sich die Literaturwissenschaftler:innen Kristin Eichhorn und Toni Bernhart von der Universität Stuttgart und nähern sich dem umfangreichen und vielschichtigen literarischen Schaffen des Schriftstellers Johannes R. Becher.

Konzept, Redaktion, Regie, Produktion und Stimmen: Kristin Eichhorn, Toni Bernhart
Grafik: Lea Mina Rossatti, unter Verwendung eines Fotos von Johannes R. Becher, Moskau 1931, Quelle: Akademie der Künste, Berlin, Johannes-R.-Becher-Archiv
Musik: Hans C. Miersch (Intro und Outro), Toni Bernhart (Seilbahnseilmusik als Hintergrund für Textzitate)
Mit Unterstützung der Hochschulkommunikation der Universität Stuttgart und in Zusammenarbeit mit HORADS 88,6, dem Campusradio für die Region Stuttgart und Ludwigsburg
Die Entwicklung der Seilbahnseilmusik wurde unterstützt durch einen Arbeitsaufenthalt im Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste, Berlin, und durch eine Beihilfe des Amtes für Kultur der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol

Wiederanders. Der Johannes-R.-Becher-Podcast

Neueste Episoden

Bonus-Folge: Im Gespräch mit Justin Ernst vom Hochschulradio Horads

Bonus-Folge: Im Gespräch mit Justin Ernst vom Hochschulradio Horads

94m 16s

Justin Ernst vom Hochschulradio HORADS hat Kristin Eichhorn und Toni Bernhart in die Sendung "Nachgefragt" eingeladen und mit ihnen über "Wiederanders. Der Johannes-R.-Becher-Podcast" gesprochen. So entstand ein Cross-Over zwischen "Nachgefragt" und "Wiederanders", das auch Ausdruck der bewährten Kooperation zwischen "Wiederanders" und dem Hochschulradio HORADS ist.

Moderation und Schnitt: Justin Ernst
https://www.horads.de/

20 Das Romanfragment „Wiederanders“ (1958)

20 Das Romanfragment „Wiederanders“ (1958)

93m 40s

Nach seiner Absetzung als Kulturminister arbeitete Becher bis zu seinem Tod noch an einem letzten Roman, der eine Fortsetzung von "Abschied" werden sollte. Der Text zeigt Bechers Auseinandersetzung mit seinen zwei Rollen als Dichter und Politiker, erweist sich aber auch als hochkomplexes literarisches Werk, in dem eine bekannte Geschichte erzählt wird und doch wieder einmal alles anders ist.

19 Becher als Kulturpolitiker und Literaturtheoretiker

19 Becher als Kulturpolitiker und Literaturtheoretiker

79m 21s

In den 1950er Jahren war Becher vor allem als Staatsdichter und Kulturpolitiker der DDR sichtbar. Seine Arbeit umfasste besonders die Präsidentschaft im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands und die Funktion als Kulturminister ab 1954. Daneben entstanden die vier Bände der "Bemühungen", Bechers umfassendes literaturtheoretisches Werk. Wir sprechen über Auszüge aus der Literaturtheorie, aus der politischen Publizistik – und über Bechers Ulbricht-Hagiografie.

18 Becher, der Sonettpriester

18 Becher, der Sonettpriester

86m 15s

563 Sonette sind allein in Bechers „Sonett-Werk“ versammelt, das er 1956 zusammengestellt hat – eine beachtliche Zahl! Bechers Interesse an der Strenge des vierzehnzeiligen Gedichts, dessen Beliebtheit ursprünglich auf Petrarca und die italienische Renaissancedichtung zurückgeht, führt in den 1950er Jahren zu einer intensiven, auch theoretischen Auseinandersetzung mit dem Sonett und einer geradezu religiösen Überhöhung dieser Gedichtform.